Dr. Isabelle Berger-Steiner, im Porträt

 

"Es lohnt sich, durchzuhalten, wenn man etwas erreichen will."

Dr. Isabelle Berger-Steiner, Head of Switzerland, France & Benelux bei Nivalion, über das Gelingen eines Karrierewechsels, die Bedeutung von Feedback und die Position von Prozessfinanzierern im Rechtsmarkt.

Liebe Isabelle, Du bist bei Nivalion, einem Prozessfinanzierungs-Unternehmen, tätig und hast davor als Anwältin im Bereich Dispute Resolution gearbeitet. Wie bist Du zum Bereich Prozessrecht als Spezialisierung gekommen?

 

Diese Ausrichtung wurde für mich eigentlich sehr schnell klar im Rahmen der Anwaltsausbildung. Da haben wir uns zum ersten Mal richtig eingehend und zielgerichtet mit Prozessführung beschäftigt, mussten Klageschriften schreiben und prozessuale Fragestellungen analysieren. Das hat mich richtig begeistert. Bei der Dissertation nach dem Anwaltsexamen habe ich mir ganz bewusst ein Thema mit Konnex zum Prozessrecht gesucht – das Beweismass im Privatrecht. Dieses Thema war für mich sehr inspirierend und hat mir die Bestätigung gegeben, dass ich in diesem Bereich praktisch tätig sein möchte. Nach der Dissertation habe ich mich dann als "kleine Bernerin" (lacht), die bisher nicht so viel gesehen hatte, in Zürich bei verschiedenen Wirtschaftskanzleien beworben. Dort ist dann gelungen, was in Bern zumindest auf dem damaligen Anwaltsmarkt so nicht möglich gewesen wäre: der Einstieg in das Berufsleben in einem Team aus lauter Prozessanwälten. Den Start im Setting der Wirtschaftskanzlei, und insbesondere bei Homburger, habe ich jedenfalls nie bereut – ganz im Gegenteil.

 

Nach dem Studium, Anwaltspatent und der Dissertation startetest Du in das Berufsleben als Anwältin, zuletzt als Counsel bei Schellenberg Wittmer. Was waren für dich wichtige Erfahrungen auf deinem Karriereweg als Anwältin?

Ich habe drei Takeaways aus meiner Zeit als Anwältin, die ich wichtig finde:

Erstens, bei Homburger anzufangen war für mich der Sprung ins kalte Wasser, den ich mir bewusst gesucht habe. Bei so einem Wechsel weiss man nicht, was auf einen zukommt. Das Grundgefühl in den ersten Monaten war auch eher „ich kann nichts und die anderen können massiv viel mehr als ich“, was schon für sich genommen schwierig war, noch dazu ohne das gewohnte persönliche Umfeld. Nach etwa einem Jahr bin ich dann aber angekommen in dieser neuen Welt und sie hat mich begeistert und voll und ganz absorbiert. Ich habe inhaltlich und auf der persönlichen Ebene innert kurzer Zeit enorm viel gelernt, das wäre in dem Ausmass unmöglich gewesen, wenn ich mich nicht aus meinem gewohnten Umfeld wegbewegt hätte. Im ersten Jahr habe ich mich oft gefragt: „lohnt sich das und schaffst du das?“ Rückblickend wäre es extrem schade gewesen, hätte ich meinen Selbstzweifeln nachgegeben. Daher gilt für mich seitdem: Herausforderungen sind da, um an ihnen zu wachsen, und sie sind ein nicht zu unterschätzender Türöffner. Es lohnt sich, durchzuhalten, wenn man etwas erreichen will! Ohne dieses Durchhalten in gewissen Phasen kommt man meiner Erfahrung nach auch gar nicht weiter. Gleichzeitig muss man aber auch merken, wenn es genug ist. Diese Balance zu finden, das hört nie auf, und ist gleichzeitig auch das "Salz in der Suppe".

Zweitens, man muss sich zeigen und vernetzen, wenn man irgendwo weiterkommen will. Ich denke, viele junge Juristinnen sind zu fokussiert auf ihre Arbeit an sich und nicht genug aktiv beim Netzwerken. Das wäre auch ein Rat an mein junges Ich: geh raus, vernetze dich, und sei nicht nur darauf fokussiert, dass die Arbeit stimmt. Je nachdem, was man anstrebt, kann man es am Ende des Tages ohne Vernetzung einfach vergessen. Ich glaube, das ist nun in den Köpfen der jungen Frauen angekommen, da hat sich viel getan. Und man sollte sich unbedingt auch einen Mentor suchen!

Drittens, man muss etwas wagen! Man merkt selber erst, was man alles kann, wenn man es ausprobiert. Ich habe mich immer als Vollblut-Prozessanwältin verstanden – Rechtsschriften schreiben, Strategien entwickeln, das habe ich wahnsinnig gern gemacht. Ich habe nach dem Wechsel aber bemerkt, dass ich auch in den Bereichen Management und Führung Fähigkeiten habe. Diese wären ohne den Berufswechsel vergleichsweise brachgelegen. Man muss sich einfach trauen, auch mal etwas Neues anzupacken. Das kann innerhalb der Kanzlei sein (Partnerrolle) oder durch einen Jobwechsel mit neuen Rollen und neuer Verantwortung. In meiner Erfahrung wird das auch einfacher, je älter man wird! Fünf Jahre früher hätte ich mir den Wechsel noch nicht zugetraut – dazwischen liegt eine kleine Welt im Vergleich zu heute.

Wie hast Du deine Erfahrung als Prozessanwältin nach deinem Wechsel zu Nivalion einbringen können?

 

Der ganze Rucksack an Fähigkeiten und Erfahrung, den ich mir als Anwältin angeeignet hatte, war die Grundvoraussetzung überhaupt, dass ich für Nivalion interessant war. Meine jetzige Hauptaufgabe ist die Führung eines Teams von erfahrenen Prozessanwälten. Wir prüfen Fälle, die uns zur Finanzierung angetragen werden, auf ihre inhaltliche und kommerzielle Validität. Dafür braucht es insbesondere genau die Fähigkeiten, die man erlernt, wenn man im Disputes Team einer Wirtschaftskanzlei gearbeitet hat.

Um die Frage noch etwas spezifisch zu beantworten: Man muss die Spreu von Weizen trennen können und eine gute Intuition haben für starke und schwache Punkte eines Falles. Man muss die richtigen Fragen stellen und die Antworten kritisch hinterfragen können – auch wenn sie von einem sehr erfahrenen Anwalt kommen. Die eigenen Positionen müssen dabei so formuliert werden, dass einen das Gegenüber ernst nimmt und sich nicht auf die Füsse getreten fühlt. Es hilft dann sehr, wenn man vorher gelernt hat, die Klaviatur der Wirtschaftskanzlei zu beherrschen. Denn unsere Ansprechpartner sind vorab die jeweiligen Parteivertreter aus ebendiesen Wirtschaftskanzleien.

Was hat dich zu diesem Wechsel motiviert?

Ich bin davor an einem Punkt angekommen in meiner beruflichen und persönlichen Entwicklung, an dem ich mehr Verantwortung übernehmen und mehr mitgestalten wollte. Die Rolle als Counsel war bei Schellenberg Wittmer so ausgestaltet, dass man zwar viel Freiheit in der Bearbeitung der eigenen Aufgaben hat, aber eben ohne Möglichkeit zur internen Mitgestaltung. Dafür hätte ich den Schritt in die Partnerrolle machen und schaffen müssen, wobei man das realistisch sehen muss. In einer etablierten Kanzlei dieser Grösse bleiben diese Gestaltungsmöglichkeiten von vornherein in recht engen Grenzen. Letztlich hat meine jetzige Rolle die für mich attraktive Nähe zur Prozessführung, was ich immer sehr gerne gemacht habe, und die Chance, beim Aufbau eines Unternehmens mit dabei zu sein, es praktisch von Anfang an mitprägen zu können. Es lässt sich nicht immer planen oder auch nur absehen, was für Möglichkeiten sich einem noch bieten werden. Wenn sie dann aber kommen, sollte man offen sein für diese Chancen.

Was waren die grössten Umstellungen für dich in deinem beruflichen Alltag?

Vorher habe ich sehr viel Zeit am Schreibtisch verbracht, habe Aktenstudium betrieben und Rechtsschriften geschrieben. Die Arbeit war sehr fokussiert auf den jeweiligen Fall und ich habe spannende Rechtsfragen bearbeitet. Manchmal ist man dabei aber auch etwas isoliert und einsam.

Heute habe ich viel mehr Fälle gleichzeitig, zudem noch Business-Themen und insgesamt deutlich mehr Aussenkontakt. Das bedeutet auch mehr Meetings und Telefonate, mehr Reisen. Insgesamt ist die Arbeit viel abwechslungsreicher, dafür aber auch punktuell hektischer und stressiger, einfach, weil viel mehr unterschiedliche Themen gleichzeitig auf dem Pult sind, die koordiniert und priorisiert werden müssen.

Was wahrscheinlich der grösste Unterschied ist: die Fähigkeit, mit unterschiedlichen Menschen und Situationen bzw. Bedürfnissen umzugehen ist in meiner heutigen Rolle viel gefragter als vorher. Das ist zwar mitunter herausfordernd, aber wenn einem das liegt, gibt es sehr viel Befriedigung.

Wie kann man sich deinen typischen Alltag jetzt vorstellen?

Es kommt praktisch nicht mehr vor, dass ich Fälle alleine bearbeite. Ich schaue mir Arbeitsprodukte meines Teams an, also insbesondere Case Assessments, Due-Diligence-Fragen, Term Sheets, Case Valuations und Investment Proposals. Im Anschluss diskutieren wir diese Arbeitsprodukte untereinander; dieser Austausch im Team ist sehr befriedigend. Ansonsten habe ich häufig Besprechungen und Telefonate mit Anwälten über laufende Projekte oder neue Anfragen. Viel häufiger als früher beschäftige ich mich mit Akquise und Marketingthemen und besuche somit auch Networking-Veranstaltungen. Dazu kommen auch Management-Aufgaben für Nivalion und Projekte, z.B. der Re-Design unserer Website.

Generell kann ich sagen, dass ich extrem schnell von der „Helikoptersicht“ in die Nahaufnahme abtauchen muss. Diesen Wechsel empfinde ich als besonders herausfordernd und spannend an meiner Rolle. Dass ich mich für längere Zeit zurückziehen könnte, ist an einem normalen Tag aber schwierig, das geht mitunter erst abends von zu Hause aus.

Welche Eigenschaften sind in deiner Erfahrung unabdingbar, um langfristig eine Position zu finden, in der man gerne und erfolgreich arbeitet?

Freude am Arbeiten, Freude daran, eine intellektuelle Herausforderung zu haben. Das ist sicher die Grundvoraussetzung. Und die Hindernisse, die es gibt, sollte man möglichst nicht als Hürden sondern als Chance sehen, daran zu wachsen. Da kann man sich ganz bewusst darauf einstellen und konstruktiv an die Herausforderung herangehen.

Man muss aber auch erkennen und akzeptieren, egal was man macht, dass es immer Aspekte und Facetten geben wird, die man nicht so gerne hat. Alles andere ist nicht realistisch. Eine "eierlegende Wollmilchsau" gibt es beim Job nicht!

Und zudem muss man sich bewusst fragen, was man selber will und sich nicht davon leiten lassen, was gemeinhin erwartet wird oder andere für einen gut finden. Dazu muss man sich von etwaigen Eitelkeiten befreien, es braucht Selbstreflektion und Mut. Sich selber treu zu bleiben, das ist für mich der Leitstern für ein erfülltes Arbeitsleben.

Du bist noch während deiner Zeit als Anwältin Mutter geworden. Habt ihr als Familie bei der Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf Unterschiede wahrgenommen zwischen dem Anwaltsberuf und deiner Arbeit bei Nivalion?

Aus heutiger Sicht hält sich das ungefähr die Waage. Wenn wir nach Hause kommen, verbringen wir die Zeit mit den Kindern, bis sie im Bett sind. Wenn die Kinder dann schlafen sind mein Mann und ich beide häufig ab 21 Uhr am Computer (lacht). Damit habe ich keine Mühe, das ist so in Ordnung für uns. Trotzdem geniesse ich es immer sehr, wenn ich abends statt zu arbeiten ein gutes Buch lesen, eine Freundin treffen oder einfach gemütlich mit meinem Mann ein Glas Wein trinken kann. Für meine Balance ist das ganz entscheidend.

Ein wesentlicher Unterschied zur Anwaltszeit ist wohl, dass ich bei Nivalion nicht den Fristendruck wie zuvor habe. Unsere Term Sheets und Investment Proposals müssen wir zwar rasch liefern, denn die Anwälte sind bei der Suche nach einer Prozessfinanzierung meist unter Druck und wir dadurch ebenfalls. Aber die riesigen Spitzen mit Wochenenden, die vor Fristende durchgearbeitet werden, gibt es nicht mehr. Gleichzeitig haben wir mehr Flexibilität in Bezug auf die Arbeitsbedingungen und das ist auch absolut notwendig. Das kommt nun aber auch langsam in den Kanzleien an.

Und was würdest Du jungen Juristinnen und Juristen raten, die sich genau diese Frage der Vereinbarkeit stellen?

Es ist einfach eine vollständig unbekannte Situation. Man muss sich darauf einlassen, was kommt und dann einfach machen. Vorher zu überlegen, wann ein guter Zeitpunkt wäre, um Kinder zu bekommen, ist nur begrenzt nützlich. Es kommt ohnehin anders, als man es sich vorgestellt hat. Ich bin überzeugt, wenn man will, findet man in punkto Vereinbarkeit eine Lösung. Aber das mit dem Wollen, das finde ich extrem entscheidend. Frauen und Männer müssen sich die Frage stellen, welche Prioritäten sie ihrer jeweiligen Karriere, ihren eigenen Bedürfnissen (Freizeit, Sport usw.) und ihrer Familie geben wollen und wo sie zu welchen Zugeständnissen bereit sind. Das tönt vielleicht banal, aber man muss sich das gemeinsam überlegen, ausdiskutieren und entscheiden – immer wieder neu, wenn sich die Verhältnisse ändern. Und dann packt man auch die damit verbundenen Konsequenzen.

Für mich war diese Konsequenz, dass ich an meinem „freien“ Tag, den ich mit meinen damals noch nicht eingeschulten Kindern verbrachte, soweit nötig trotzdem erreichbar war und abends nacharbeitete. Das war nicht immer angenehm, häufig sogar ein grosser Stress, aber ich hatte diesen Tag mit meinen Kindern. Das war es mir wert. Es ist auch hart, wenn man sein Kind in die Kita bringt und es weint und mag nicht gehen. Dann muss man schauen, ob es nur eine Phase ist – hier ist dann wieder Durchhalten gefragt und das Rückbesinnen auf die gemeinsam getroffene Entscheidung – oder ob man am Set-up etwas anpassen muss.

Ganz wichtig ist aber, dass man einen Partner hat, der den Wunsch zu arbeiten nicht nur akzeptiert, sondern einen darin aktiv unterstützt. Für mich ist die Unterstützung meines Mannes der Schlüssel dafür, dass ich meinen Karriereweg weitergehen konnte bzw. kann, ohne dabei das Gefühl zu haben, dass die Kinder auf der Strecke bleiben.

Schliesslich darf man an guter und verlässlicher Betreuung und Entlastung im Haushalt nicht sparen. Davon nehme ich lustigerweise heute viel mehr in Anspruch als noch vor drei Jahren. Da habe ich einen Lernprozess durchgemacht. Alles, was man punkto Haushalt auslagern kann, sollte man auch delegieren. Das kostet Geld, aber es schont die Nerven und schenkt Zeit.

Du hast vor kurzem euer Team vergrössert und zwei weitere ehemalige Anwältinnen zu euch geholt. Was sollte man mitbringen, wenn man bei einem Unternehmen wie Nivalion arbeiten möchte?

Man muss sein Ego ablegen können, denn man ist eben nicht mehr Teil der Anwaltsgilde, sondern steht gewissermassen Aussen vor. Und es braucht den oben erwähnten Rucksack an Arbeitserfahrung. Je grösser und je vielseitiger man vorher Erfahrungen gesammelt hat, desto besser. Es braucht auch Interesse an verschiedenen Rechtsgebieten und die Fähigkeit, rasch in unterschiedliche Themen eintauchen zu können. Und man darf sich nicht stressen lassen, wenn man viele verschiedene Dinge auf dem Pult hat. Letzteres ist sicher auch Typsache. Ausserdem braucht es Erfahrung und Selbstvertrauen, um Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und sich dort zu vertiefen, wo es erforderlich ist.

Es braucht auch die Freude am Blick für den Fall als Ganzes. Als Prozessfinanzierer müssen wir den Fall in seiner Gesamtheit analysieren und bis zum Enforcement durchdenken. Zudem benötigen wir Interesse an kommerziellen Fragen. Es sind eben nicht nur die rechtlichen, sondern auch die wirtschaftlichen Aspekte sehr wichtig. Das zeigt sich insbesondere beim Verhandeln über Funding Terms mit Anwälten und Kunden. Generell muss einem Freude machen, das Produkt Funding im Auftritt nach Aussen zu vermitteln.

Junge Juristinnen und Juristen haben zunehmend den Wunsch nach konstruktivem Feedback. Was sind deine Erfahrungen hiermit und was hast Du für dich nun in deiner Führungsposition hierzu mitgenommen?

 

In meiner Erfahrung ist konstruktives Feedback dringend nötig für junge Juristinnen und Juristen. Gerade in der Anfangszeit, die ich zuvor beschrieben habe, wenn man sich erst in der neuen Rolle als Anwältin oder Anwalt zurechtfinden muss, ist Feedback von den Vorgesetzten essentiell. Es ist nicht zu unterschätzen, was für eine Wirkung positives Feedback haben kann: nicht jeder hört positives Lob zwischen all den als "negativ" empfundenen Rückmeldungen, die man zwangsläufig bekommt beim Berufseinstieg. Feedback trägt wesentlich dazu bei, den Wert der eigenen Arbeit abschätzen zu können und an Selbstsicherheit zu gewinnen. Und es verbindet! Für Feedback muss man sich – genau wie für klare Instruktionen – Zeit nehmen.

Das Thema Third Party Funding (Prozessfinanzierung) ist in den letzten Jahren immer prominenter geworden. Was denkst Du sind die grössten Herausforderungen an die Juristen in Kanzleien und bei den Mandanten in der Zusammenarbeit mit Prozessfinanzierungs-Unternehmen?

Anwältinnen und Anwälte müssen sich für die Beratung ihrer Klienten in Hinblick auf Prozessfinanzierung das notwendige Basiswissen aneignen. Sie sollten wissen, wer tätig ist im Markt und wie der jeweilige Finanzierer aufgestellt ist. Man sollte auch bereits im Vorwege versuchen, vertrauensvolle Beziehung mit den Fundern aufzubauen. Das erleichtert Zugang. Man sollte die Produktpalette kennen, wissen, wie der Funding Prozess abläuft. Wenn Funding in Frage kommt, muss es meistens schnell gehen und je mehr man über die Angebote und den Ablauf weiss, desto besser kann man seine Klienten beraten. Das gilt übrigens genauso auch für Inhouse Counsel.

Für uns als Funder stellt sich die Herausforderung, uns den Anwältinnen und Anwälten und Inhouse Counsel als neuer Dienstleister mit Mehrwert im Rechtsmarkt darzustellen. Die Wahrnehmung bzw. Sorge ist nach wie vor, dass wir eine dritte Einheit sind, die sich in den Prozess einmischt und das Verfahren weiter verkompliziert. Das stimmt so nicht. Während der Due Diligence ist der Kontakt zu den fallführenden Anwälten/Inhouse Counsel je nach Konstellation zwar häufig und eng, sobald wir aber den Entschied getroffen haben, einen Fall zu finanzieren, reduziert sich unsere Arbeit auf Monitoring, hands off! Wir hätten auch gar nicht die Kapazitäten dafür, jeden Fall im Detail mitzugestalten. Daher ist es in unserem Interesse, die Anwältinnen und Anwälte ihre Arbeit machen zu lassen.

Welche Juristin hat Dich so inspiriert, dass sie als Vorbild für breaking.through nominiert werden sollte? Wieso?

Diese Antwort fällt mir sehr leicht: Melinda Lohmann, Assistenzprofessorin für Wirtschaftsrecht an der HSG und Melissa Magliana, Partnerin bei Lalive in Zürich. Ich habe beide bei Homburger kennengelernt und bin bis heute nahe mit ihnen verbunden. Das sind zwei unheimlich gescheite Frauen, beide sehr erfolgreich und zugleich auf der persönlichen Ebene herausragend. Diese Kombination findet sich selten.

Vielen Dank für das Gespräch und die Zeit, die Du Dir dafür genommen hast!

Zürich/Zug, 18. November 2019. Das Interview führte Charlotte Rosenkranz.

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